Wie wird eine Schwerbehinderung festgestellt

By | 18. Januar 2017
Code-Snippet kopieren
feststellung-schwerbehinderung

Wie wird eine Schwerbehinderung festgestellt

Wie wird eine Schwerbehinderung festgestellt? – Das Neunte Sozialgesetzbuch spricht dann von einer Behinderung, wenn Menschen durch ein körperliches oder andersartiges Leiden mehr als sechs Monate lang in ihrer sozialen Interaktion und dem gesellschaftlichen Leben eingeschränkt sind. Der Grad einer Behinderung ist damit der Grad der alltäglichen Beeinträchtigung aufgrund etwaiger Gesundheitszustände. Es geht dabei nicht um bestimmte Erkrankungen oder Diagnosen, sondern immer um ein funktionales Defizit, das die Auswirkungen der Behinderung für das gesellschaftliche Leben des Einzelnen wiedergibt. Der GdB, also der Grad der Behinderung, liegt zwischen 0 und 100 Punkten.

Die Abstufung wird in Zehnerschritten vorgenommen. Einen Schwerbehindertenausweis erhalten Menschen ab einem GdB von 50. Die Beurteilung des eigenen GdB erfolgt im Rahmen ärztlicher Gutachten durch Behörden wie das Versorgungsamt. Versorgungsmedizinische Grundsätze bilden die Basis der Einstufung. Bis vor einiger Zeit erfolgte die Einstufung im Rahmen der Anhaltspunkte für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht und nach dem Schwerbehindertenrecht. Diese Anhaltspunkte werden seit 2009 aber nicht mehr aktualisiert, da damals die versorgungsmedizinischen Grundsätze an ihre Stelle getreten sind. Die Grundsätze kann der Antragsteller beim zuständigen Versorgungsamt einsehen. Wer sich über die Zuständigkeiten der Versorgungsämter nicht sicher ist, kann einen Antrag auch bei einem anderen Sozialträger einreichen.

Sobald der Antrag eingegangen ist, wird der Grad der Behinderung für den Einzelfall anhand von GdB-Tabellen und ärztlichen Attesten ermittelt. Für jedes gesundheitliche Leiden existiert eine eigene GdB-Tabelle. Wenn verschiedene Beeinträchtigungen in mehreren Organsystemen vorliegen, dann ergeben die einzelnen Beeinträchtigungen in Kombination miteinander den Gesamtgrad der Behinderung. Die Defizite in den Organsystemen werden zur Ermittlung des Gesamtgrads allerdings nicht addiert, sondern in ihrer wechselwirkenden Beziehung beurteilt. Die bloße Addition würde keine zuverlässigen Einschätzungen über die tatsächlichen Alltagseinschränkungen zulassen. Das Organsystem mit dem höchsten Behinderungsgrad wird bei Beeinträchtigungen mit multipler Organbeteiligung zur Beurteilung des Gesamtwerts vor dem Hintergrund der weiteren Einschränkungen betrachtet, was gegebenenfalls, aber nicht zwingend den Gesamtwert der Beeinträchtigung erhöht.

Das Vorliegen von Defiziten in mehreren Organsystemen muss also nicht zwingend mit einem Schwerbehindertengrad verbunden sein, solange die schwerwiegendste Einschränkung unter 30 liegt und die weiteren Beeinträchtigungen sie in Wechselwirkung nicht erhöhen. Die GdB Tabellen gliedern sich nach Organsystemen. Neben den Tabellen zu den Organsystemen Kopf und Gesicht, Nervensystem und Psyche, Sehorgan, Hör- und Gleichgewichtsorgan, sowie Nase, Mundhöhle oder Rachenraum und obere Luftwege existieren eigene Tabellen zu Beeinträchtigungen des Brustkorbs, der tieferen Atemwege und Lungen, des Herzens und Kreislaufs oder der Verdauungsorgane. Auch Brüche, Schäden an den Harnorganen, Beeinträchtigungen der Geschlechtsorgane oder Stoffwechseldefekte, innere Sektionen und Blut- sowie Blutbildungsstörungen werden über einzelne Tabellen beurteilt. Dasselbe gilt für rheumatische Erkrankungen, aber auch für Fehlfunktionen des Immunsystems, der Haut und der Haltungs- sowie Bewegungsorgane.

Für die Einstufung relevant sind vor allem die Dauer der Beeinträchtigung und die Integrationsfähigkeit einer Person mit der jeweiligen Beschwerde. Schon bei der Einstufung sollte der Patient die Auswirkungen seines Leidens im Alltag beschreiben und idealerweise durch ärztliche Atteste untermauern können. Die Schwere des GdB entspricht nicht zwingend einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit. Das heißt, dass die Einstufung unabhängig vom angestrebten oder bereits ausgeübten Beruf erfolgen muss. Am Anfang der Einstufung steht immer die Antragsstellung an einen Sozialleistungsträger. Die Versorgungsämter bieten die Beantragung mittlerweile auch online an. Die Antragsstellung beginnt mit der Vervollständigung von Formularen, die Auskunft über den eigenen Gesundheitszustand geben. In den Anhang gehören etwaige Atteste und Arztbriefe. In Einzelfällen wird der Schwerbehindertengrad auch ohne die konventionelle Antragsstellung vergeben. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn eine Person im Rahmen eines schweren Unfalls eins ihrer Gliedmaßen verloren hat.

Code-Snippet kopieren

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *