Schwerbehinderung Definition

By | 24. Januar 2017
Code-Snippet kopieren
Schwerbehinderung Definition

Schwerbehinderung Definition

Schwerbehinderung Definition

Ab wann liegt eine Schwerbehinderung vor?

Schwerbehinderung Definition – Im Alltagsdenken wissen die Leute immer sofort, was eine Behinderung ist. Es lässt sich nicht vermeiden: Man muss dieses sperrige Wort nur denken, und sofort manifestiert sich im eigenen Kopf das Bild eines Menschen, der an den Rollstuhl gefesselt ist. Oder man denkt an eine Person mit schwarzer Brille und gelben Armband, die mit einem Stock vorsichtig nach vorne tastend umhergeht. Oder Menschen mit Amputationen. Oder Menschen mit Chromosomenfehler. Im Alltagsdenken ist die Vorstellung einer Behinderung recht klar umrissen. Aber in einem komplexen Rechtsstaat ist das Alltagsdenken aufgrund seiner Subjektivität ungenügend, und deswegen muss auch klar formuliert werden, wann ein Mensch im rechtlichen Sinn als behindert gilt. Die Definition einer Behinderung wird heute zumeist von den höchsten internationalen Organisationen, die sich mit Gesundheit und Menschenrechten befassen, bestimmt, darunter der WHO (World Health Organisation) und der UNO. So ist zum Beispiel laut WHO eine Behinderung eine Benachteiligung einer Person, die aus einer Schädigung bzw. Beeinträchtigung anatomischer, psychischer oder physiologischer Funktionen und Strukturen des Körpers hervorgehen.

Im deutschem Rechtsraum wird der Status der Behinderung durch das Sozialgesetzbuch (SGB) Neuntes Buch (IX) – Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen definiert. Darin gelten all jene Personen als behindert, wenn deren körperliche, geistige oder seelische Fähigkeiten mehr als sechs Monate von den für das jeweilige Lebensalter typischen Zuständen abweichen und deswegen die soziale Teilnahme am gesellschaftlichen Leben beeinträchtigt ist. Die Definition der Behinderung ist jedoch umstritten, da vor allem viele Betroffene wie z.B. Gehörlose sich selbst nicht als behindert wahrnehmen wollen. Solche Menschen fühlen sich vom Gesetz zu Unrecht stigmatisiert, da sie sich eine eigene Kultur geschaffen haben, in der sie als ganz normal und gesund wahrgenommen werden. Daher ist eine abschließende, universell gültige Definition dessen, was man als Behinderung anzusehen hat, nicht wirklich möglich. Am Ende muss auch immer das subjektive Empfinden jeder einzelnen Person respektiert werden.

Ab wann eine Person als schwerbehindert gilt, ist ebenfalls in §2 des neunten Sozialgesetzbuches festgelegt. So heißt es in Absatz 2, das Menschen dann eine schwere Behinderung haben, wenn der Grad der Behinderung (GdB) bei mindestens 50 liegt und sie entweder einen Wohnsitz, einen Arbeitsplatz oder einen sonstigen angemeldeten Aufenthaltsort innerhalb des deutschen Rechtsraumes haben, in dem das Sozialgesetzbuch gültig ist. Die Feststellung des GdB erfolgt durch das Versorgungsamt, wobei bei der Bemessung des Grads die tatsächliche Leistungseinschränkung der behinderten Person ausschlaggebend ist.

Das Schwerbehindertenrecht ist im neunten Sozialgesetzbuch geregelt, und zwar im zweiten Teil, der die besonderen Regelungen zur Teilhabe von Menschen mit schwerer Behinderung festlegt.

Das Sozialgesetzbuch legt für Schwerbehinderte folgende Vergünstigungen fest:

  • Stärkerer Kündigungsschutz
  • Zusätzlichen Urlaub in der Länge einer Arbeitswoche
  • Verbot von Mehrarbeit
  • Maßgebliche Hilfen von Arbeitsagentur und Integrationsamt bei der Jobsuche
  • Ab einem GdB von 60 und chronischer Erkrankung ist man von Zuzahlungen für die gesetzliche Krankenversicherung befreit.
  • Rechte auf vorzeitigen Anspruch auf die volle Altersrente, Genaueres hängt vom Geburtsdatum und vom Beginn des Schwerbehindertenstatus der Betroffenen ab.

Weitere Vergünstigungen bei zusätzlichen Einschränkungen können sein:

Kostenlose Teilnahme am öffentlichen Personennahverkehr, das Recht auf Nutzung von Behindertenparkplätzen, Sozialtarife beim Telefonieren sowie eine Befreiung von der Rundfunkgebühr.

Wie werden „Krankheit“ und „Behinderung“ definiert

Wie werden „Krankheit“ und „Behinderung“ definiert?

Für die Feststellung einer Schwerbehinderung und den Erhalt eines Schwerbehindertenausweises gelten gesetzliche Definitionen. Menschen gelten gesetzlich als behindert, wenn ihre geistige und körperliche Funktion eingeschränkt ist. Die Behinderung führt zu dauerhaften Einschränkungen. Damit ist die Teilnahme am öffentlichen Leben gemeint.

Mit dauerhaft wird ein ständiger Zustand definiert, der mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate anhält. Menschen gelten als schwerbehindert, wenn der Grad der Behinderung bei mindestens 50 % liegt. Voraussetzung für die Anerkennung der Behinderung ist, dass sie einen Wohnsitz, eine berufliche Beschäftigung oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Geltungsbereich des Gesetzbuches haben.

Grundlage hierfür ist der § 73. Behinderte und Schwerbehinderte mit einem Grad der Behinderung von weniger als 50 % und mehr als 30 % können unter bestimmten Voraussetzungen gleichgestellt werden. Das gilt zum Beispiel, wenn sie unter Berücksichtigung der Behinderung ihren Arbeitsplatz nicht behalten können oder erst gar kein geeigneter Arbeitsplatz vorliegt.

Bei der Feststellung einer Behinderung werden auch physikalische und soziale Faktoren berücksichtigt. Entscheidend ist neben der Einschränkung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Teilhabe auch das Zusammenspiel weiterer Faktoren. So kann ein Behinderter zum Bespiel seinen Alltag nicht in vollem Umfang bewältigen, weil er Barrieren nicht überwinden kann. Diese Umweltfaktoren liegen im alltäglichen Gebrauch und sind für nicht behinderte Menschen Normalität.

Dazu können zum Beispiel hohen Bordsteinkanten gehören, die für gehbehinderte oder Rollstuhlfahrer nicht zu überwinden sind. Aber auch Treppen sind für behinderte Menschen oft ein Hindernis. Gerade gehbehinderte Menschen können den Alltag nur schwer bewältigen, da sie oftmals nur kurze Entfernungen zurücklegen können. In diesen Fällen wird zur Feststellung der Behinderung auch die eingeschränkte Mobilität berücksichtigt.

So sind diese Menschen dauerhaft auf ein Fahrzeug angewiesen. Sie erhalten nach Feststellung der Behinderung auch eine Berechtigung zur Nutzung eines ausgewiesenen Behindertenparkplatzes. Im Sozialgesetzbuch wird eine Behinderung wie folgt definiert: „Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht und daher ihre Teilhabe am Leben der Gesellschaft beeinträchtigt ist.” Das bedeutet, dass auch der alterstypische Gesundheitszustand verglichen wird.

Einerseits muss zur Feststellung einer Behinderung ein altersuntypischer Zustand vorliegen. Das bedeutet aber andererseits, dass Altersleiden auch genau definierbar sein müssen. Hierzu sei angemerkt, dass alterstypische Leiden nicht für die Anerkennung einer Behinderung relevant sind. Das gilt auch dann nicht, wenn sie etwas stärker ausgeprägt sind. Gutachter orientieren sich hier an medizinischen Empfehlungen.

Manchmal fließen aber auch persönliche Erfahrungen in die Begutachtung mit ein. Manche altersbedingte Beschwerden können nämlich sehr wohl die Teilnahme am öffentlichen Leben einschränken. Für die Gutachter ist das eine Gradwanderung, bei der oftmals mehrere Gutachter zu Rate gezogen werden. Klarer ist der Fall, wenn junge Leute durch typische Beschwerden eingeschränkt sind, die medizinisch gesehen erst im hohen Alter auftreten.

Dann ist die altersbedingte Abweichung deutlich zu erkennen und kann auch problemlos medizinisch attestiert werden. Unausgesprochen, aber dennoch äußerst belastend, ist die soziale Ausgrenzung und Diskriminierung. Traurige Realität ist nämlich der soziale Ausschluss behinderter Menschen. Der ist oftmals von der eigentlichen Behinderung abhängig.

So haben es Menschen mit amputierten Gliedmaßen oft leichter als Menschen, die unter Lipödemen leiden. Diese Erkrankung folgt nämlich zu einer extremen Gewichtszunahme, ohne das Menschen im Übermaß Nahrungsmittel zu sich nehmen.

Obwohl der Körper von Lipödem-Erkrankten unförmig ist, gelten sie in der Gesellschaft als adipös und werden aufgrund ihres Körpervolumens ausgeschlossen. Auch Behinderte mit ungewollten Bewegungen leiden unter den bösen Blicken der Gesellschaft. Gutachter müssen daher mit Fingerspitzengefühl vorgehen und auch seelische Beeinträchtigungen einfließen lassen, die nicht vom Gesetz her definiert sind.

Code-Snippet kopieren

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *